Majd gibt Tipps für Studieninteressierte

Kurze Einführung zu meiner Person:

Ich heiße Majd, bin 21 Jahre alt und komme aus Syrien.
In Syrien habe ich mein Abitur am 07.08.2013 mit 94,03 von 100 Punkten geschafft.
Mein Studentenvisum habe ich bei der deutschen Botschaft im Libanon beantragt und dieses nach 3 Monaten erhalten.
Seit Ende 2014 lebe ich nun in Deutschland.
Im Sommersemester 2016 begann ich Informatik an der TU Dortmund zu studieren
und komme nun ins dritte Semester.
Außerdem bin ich Welcome-Stipendiat der deutschen Universitätsstiftung.

 

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Welche Hürden musste ich meistern, damit ich hier in Deutschland studieren durfte?

Begonnen habe ich mit dem A1 Kurs und habe mich durchgearbeitet bis zum C1 Kurs.
Die letzte Sprachhürde stellte die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) dar.
Hierfür besuchte ich den DSH-Vorbereitungskurs.
Diese Prüfung muss jeder internationale Student ablegen, um überhaupt in Deutschland studieren zu dürfen.
Diese Prüfung habe ich, nachdem ich nun schon 11 Monate in Deutschland war, sehr gut geschafft.
Ich erreichte sogar das Niveau DSH 3.

Dann habe ich mich erkundigt, wie man sich für Universitäten bewerben soll.
Ich habe viele Freunde gefragt und habe auch viel recherchiert.
Das war nicht einfach.

Auf der Webseite für palästinensische Studenten in Deutschland habe ich viele Informationen in arabischer Sprache bekommen.
Ich musste erstmal mein Abiturzeugnis auf Deutsch übersetzen lassen und mein Sprachzeugnis
von der Ausländerbehörde beglaubigen lassen. Zusätzlich musste ich einen Lebenslauf erstellen.
Erst mit meinen vollständigen Unterlagen konnte ich mich bei den Universitäten bewerben.

 

Wie bin ich auf das Stipendium aufmerksam geworden?

Ein Freund von mir hat eine Einladung von einer Dame bekommen, die für die Auswahl
der potentiellen Stipendiaten zuständig war.
Ich bin aus Interesse mitgegangen und da hat mir die Dame gesagt, dass ich mich auch für das Stipendium bewerben könnte.

Diese Chance habe ich umgehend wahrgenommen und kurz darauf hatte ich schon einen Termin
für ein Vorstellungsgespräch zu dem ich meine kompletten Unterlagen mitbringen sollte.
Nach ca. 5 Tagen hatte ich schon die Zusage bekommen.

Das war echt ein schöner Moment!

Das Stipendium bringt auf jeden Fall viele Vorteile mit sich,
z.B. hat man einen festen Ansprechpartner an der Uni von dessen Erfahrung und Wissen
man profitieren kann. Die finanzielle Unterstützung besteht unter anderem in jährlichem Büchergeld
und kostenlosen Fachzeitschriften. Darüber hinaus wird man oft zu Workshops eingeladen,
für die die Kosten ebenfalls übernommen werden.
Man erhält wirklich tolle Unterstützung und wird positiv auf die zukünftige Arbeit hier in Deutschland eingestimmt.

 

Was sind die Unterschiede zwischen Schule/Uni in Deutschland und Syrien?

Das Prinzip ist eigentlich das Gleiche.
Allerdings ist in Deutschland im Vergleich zu Syrien die Menge an Schularten weitaus breiter gefächert
und somit hat man auch zahlreichere Möglichkeiten „seinen Weg zu gehen“.
In Syrien ist der Stoffumfang in der Schule weitaus höher und dadurch werden die Schüler stärker belastet.

 

Wie unterscheidet sich die Arbeitswelt in Deutschland und in Syrien?

Hierbei ist der Unterschied doch beträchtlich.
In Syrien ist es normal 2 oder sogar 3 Jobs zu haben.
Lehrer arbeiten zum Beispiel in ihrer Freizeit zusätzlich als Taxifahrer.
In Deutschland ist es eine Pflicht Steuern zu bezahlen,
in Syrien ist es üblich gerade beim Zweit- oder Drittjob „schwarz“ zu arbeiten.

 

Was sind die größten Unterschiede in der Mentalität?

Als Ausländer würde ich die Deutschen bei vielen Sachen zum Vorbild nehmen,
beispielsweise beim Thema Arbeit.
In Deutschland wird, meiner Meinung nach, zurecht ein hoher Wert auf die Arbeit gelegt.
Das zweite Thema ist die Pünktlichkeit und der Wert der Zeit.
Sie schätzen den Wert der Zeit sehr.
Wenn jeder von uns auf diese drei Punkte richtig und nicht übertrieben aufpasst bzw. achtet,
dann kann man wirklich viel im Leben erreichen.
Die Deutschen lesen viel und das finde ich auch ganz gut.
Eine weitere Eigenschaft der Deutschen ist ihre Sparsamkeit.

Die Deutschen legen aber keinen so großen Wert auf die Familie und das finde ich schade.
Zudem haben die Deutschen große Angst vor der Zukunft, obwohl es ihnen eigentlich gut geht.
Grundsätzlich könnten die Deutschen das Leben einfach etwas entspannter angehen.

 

Wie bin ich beim Deutschlernen vorgegangen?

Nachdem ich fertig mit der Sprachprüfung war, konnte ich schon auf einem guten Niveau sprechen.
Der Weg dorthin war aber mit sehr großem Aufwand verbunden.
Manchmal habe ich mehr als 12 Stunden am Tag gelernt.

Ich habe versucht, mich als Kind zu integrieren.
Deswegen bin ich auf die Idee gekommen, dass ich Kinderbücher lese.
Das habe ich gemacht und das hat mir echt geholfen.
Ich habe viele Bücher gelesen.
Aber es hat mir auch richtig geholfen, dass ich täglich deutsches Fernsehen geschaut habe.
Dabei hatte ich immer einen Stift und einen Zettel neben mir liegen.
Alle neuen Wörter, die ich nicht kannte, habe ich mir aufgeschrieben und im Anschluss deren Bedeutung nachgeschlagen.

Mein Ziel war vom Anfang an, die Sprache perfekt und fehlerfrei zu sprechen.
Mit anderen Worten hatte ich daran mit der Einstellung gearbeitet „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“
und „Übung macht den Meister“.

Abschließend möchte ich noch etwas dazu sagen und zwar,
dass die Sprache der Schlüssel für alle Türen in diesem Land ist.
Man muss immer daran arbeiten, seine Deutschkenntnisse ständig zu verbessern,
z.B. indem man jeden Tag Zeitung oder Zeitschriften liest oder indem man auch Radio hört und sich die neuen Wörter merkt.

 

Liebe Grüße
Euer Majd