Anerkennung ausländischer Studien- und Berufsabschlüsse

Anerkennung von Abschlüssen

Viele Flüchtlinge haben in ihrem Heimatland ein Studium absolviert oder eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen. In wieweit diese Abschlüsse auch in Deutschland ihre Gültigkeit haben und wie Unternehmen diese Potenziale optimal nutzen können erfahren sie hier.

Abgeschossenes Studium im Ausland

Wichtig für die Anerkennung eines Hochschulabschlusses im Ausland ist ob die Hochschule nach den Bestimmungen des Landes in dem sie sich befindet, anerkannt ist.
Hierfür empfehlen wir das Infoportal zu ausländischen Bildungsabschlüssen der Kultusminister Konferenz.

Eine Anerkennung zum Zwecke der Berufsausübung ist nur dann erforderlich, wenn der Beruf des Flüchtlings zu den reglementierten Berufen gehört. Betroffen sind Berufe bei denen der Nachweis von bestimmten Qualifikationen verlangt wird oder deren Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt ist. Welche Berufe reglementiert sind erfahren sie beim Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit.

Auch wenn der entsprechende Beruf nicht reglementiert ist, kann eine Anerkennung künftigen Arbeitgebern helfen, eine bessere Einschätzung des Arbeiters zu bekommen. Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bietet für Flüchtlinge mit absolviertem Hochschulstudium im Ausland eine Zeugnisbewertung an. Die Zeugnisbewertung nennt den deutschen Bildungsabschluss, der mit dem ausländischen Abschluss vergleichbar ist. Für einen reglementierten Beruf benötigt man jedoch stets eine berufliche Anerkennung.

Abgeschlossene Berufsausbildung

Nicht für alle Berufe ist es nötig sich eine Anerkennung ausstellen zu lassen jedoch bietet das Verfahren auch bei nicht-reglementierten Berufen Vorteile.

Berufsanerkennung

Wenn von Berufsanerkennung die Rede ist, bezieht man sich auf das „Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen (BQFG)“ aus dem Jahre 2012. Seit diesem Gesetz können alle Personen mit einem ausländischen Berufsabschluss diesen mit einem deutschen Referenzberuf vergleichen lassen. Durch diesen Vergleich wird es den Arbeitgebern erleichtert die Qualifikation des ausländischen Mitarbeiters einzuschätzen. Die Arbeitnehmer können den Unternehmen schon während des Bewerbungsverfahrens zeigen, welche Fähigkeiten sie mitbringen.

Ablauf einer Anerkennung

Bevor Sie einen Antrag auf berufliche Anerkennung stellen können, müssen Flüchtlinge zunächst Ihren Referenzberuf in Deutschland ermitteln. Dies gilt für reglementierte und nicht reglementierte Berufe gleichermaßen. Es gibt in Deutschland 81 bundesrechtlich (davon 41 zulassungspflichtige Handwerks-Meisterberufe) und 18 auf Länderebene reglementierte Berufe. Daraufhin kann der Antrag gestellt werden. Um die Qualifikation festzustellen werden Ausbildungsnachweise, Arbeitszeugnisse und auch die Arbeitserfahrung des Antragstellers überprüft. Liegen zu wenige oder gar keine Nachweise vor, kann zusätzlich eine Qualifikationsanalyse durchgeführt werden. Wo der Antrag zu stellen ist hängt von dem Bundesland und dem entsprechenden Beruf ab. Das „Portal für ausländische Berufsqualifikationen“ bietet hier einen guten Überblick.

Ergebnisse der Prüfung

Es gibt drei Mögliche Ergebnisse einer Gleichwertigkeitsprüfung:

  1. Volle Gleichwertigkeit: Die ausländische Qualifikation entspricht dem Niveau einer vergleichbaren deutschen Ausbildung.
  2. Teilweise Gleichwertigkeit: Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen der ausländischen und der deutschen Ausbildung. Fehlende Qualifikationen kann der Bewerber jedoch im Rahmen von Weiterbildungen im Nachhinein sich aneignen. Der Antragsteller kann im Betrieb sich fortbilden und in Folge eine weitere Gleichwertigkeitsprüfung absolvieren.
  3. Keine Gleichwertigkeit: Die Qualifikation ist nicht mit deutschem Niveau vergleichbar.

Anpassungsqualifizierung im Betrieb

Bei nicht-reglementierten Berufen können Arbeitgeber auch Flüchtlinge deren Qualifikation nur als teilweise gleichwertig eingestuft wurde aufnehmen und eine Anpassungsqualifizierung im Betrieb anbieten. Ein Vorteil für den Arbeitgeber ist hierbei die völlige Transparenz der Qualifikation des Arbeiters. Gelingt es dem Anerkennungssuchenden die Anschlussqualifizierung erfolgreich abzuschließen erhält der Betrieb mit wenig Aufwand und geringen Kosten sehr motivierte Mitarbeiter, die zudem ausreichend qualifiziert sind.

Berufsanerkennung als lukratives Modell für Arbeitgeber

Durch die Berufsanerkennung besteht für Unternehmen die Möglichkeit, das Potenzial ausländischer Fachkräfte optimal zu nutzen. So kann auf lange Sicht dem Fachkräfteschwund in Deutschland entgegengewirkt werden. Mitarbeiter können langfristig an den Betrieb gebunden werden. Die Berufsanerkennung deckt eventuelle Fehlerquellen im Einsetzen von ausländischen Mitarbeitern auf und zeigt Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Betriebs. Durch die Berufsanerkennung können Unternehmen dafür sorgen auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein.



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